Projekt 07 Fibrocheck

Unter dem Begriff „Fibrose“ versteht man eine krankhaft vermehrte Bindegewebsbildung. Fibrosen kommen prinzipiell als Konsequenz folgender Krankheitsgruppen vor:

  • Gewebsuntergang (z.B. alkoholische Leberzirrhose)
  • Entzündungen (z.B. nach Infektionen, rheumatische Erkrankungen etc.)
  • als Reaktion auf Fremdkörper (z.B. Silikonimplantate)
  • spontan (z.B. Narben ohne erkennbare Ursache)

 

Stand der Technik

Patientinnen mit Silikon-Brustimplantaten (SBIs) entwickeln relativ häufig verdickte Bindegewebskapseln um das Implantat. Dies führt zu ästhetischen Problemen und durch Kapselkontraktur zu Schmerzen. Derartige Fibrosen entwickeln sich auch um andere Silikon-überzogene Implantate, wie Herzschrittmacher etc.
Mitarbeiter von IDC Wick konnten zeigen, dass in allen Fällen mit verstärkter Kapselfibrose um SBIs innerhalb des fibrotischen Gewebes massive Immunreaktionen ablaufen. Die an diesen Immunreaktionen beteiligten Zellen produzieren Botenstoffe, die Bindegewebszellen zu vermehrter Teilung, zu Wachstum, sowie zur Produktion von Bindegewebsproteinen (extrazellulären Matrix-Proteinen) anregen. Bei letzteren handelt es sich vor allem um Kollagen.
Bisher gibt es keine effizienten Möglichkeiten zur frühzeitigen Diagnose oder zur Therapie von Fibrosen.

 

Ergebnisse der Phase I

Die primäre Ursache für die Peri-SBI-Kapselbildung ist eine vermehrte Anheftung von Bindegewebszellen (Fibroblasten) und Fresszellen (Makrophagen, s. Abbildung) an die Silikonoberfläche. Dies ist wiederum dadurch bedingt, dass zunächst Proteine aus Serum und Wundbettflüssigkeit an die Silikonoberfläche binden und dort als „Klebstoff“ für die erwähnten Zellen dienen.
IDC Wick beschäftigt sich einerseits mit der Aufklärung jener Prozesse, die den erwähnten Immunreaktionen zugrunde liegen. Andererseits wurde auf ELISA-Basis ein neues Testsystem entwickelt und zum Patent angemeldet (SiLISA), das es erlaubt, das Adhäsionsmuster (die „Signatur“) von Serumproteinen an Silikonoberflächen zu bestimmen. Es zeigte sich, dass diese Signatur bei SBI-Patientinnen mit fibrotischen Komplikationen signifikant von jenem bei Patientinnen ohne derartige Nebenwirkungen differiert.

 

Ziel

Die bisher gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse bzgl. fibrotischen Nebenwirkungen von Fremdkörperimplantaten werden im Folgeprojekt (FIBROCHECK) auch auf andere Arten von Fibrosen ausgeweitet, um Grundlagen für eine verbesserte Diagnostik, Prävention und Evidenz-basierte Therapie zu schaffen.

 

Lösung

Das Team von IDC Wick besitzt langjährige Expertise auf dem Gebiet der Immunologie, der Bindegewebsforschung, der Allergologie und der Proteomics-Technologie. Es wurde im Rahmen des Projekts auch ein molekularbiologisch fassbarer Marker für die Erfassung früher Fibrosestadien identifiziert. Dieser Marker wird zusammen mit dem SiLISA das Arsenal für die frühzeitige Diagnose von Fibrosen und deren Prävention und Therapie verbessern.

Bedeutung für die Patienten:

  • Risikoabschätzung betreffend Nebenwirkungen gegen verschiedenste Silikonimplantate vor der Operation
  • Regelmäßige Überwachung von Implantat-TrägerInnen
  • Gezielte und frühzeitige Behandlung von fibrotischen Nebenwirkungen
  • Verbesserung der Bioverträglichkeit von Implantat-Materialien
  • Evidenz-basierte Behandlung von Fibrosen verschiedenster Art

Bedeutung für die Wirtschaft:

  • Volksgesundheit (Krebstherapie, Arbeitsschutz bei beruflicher Silikonexposition, kosmetische Indikationen)
  • Diagnostischer Markt (individualisierte Therapie)
  • Lenkung des Herstellungsprozesses von Implantaten verschiedenster Art (nicht nur SBIs)


Publikationen

Wolfram D., Rainer C., Niederegger H., Piza H., Wick G.
„Cellular and molecular composition of fibrous capsules formed around silicone breast implants with special focus on local immune reactions“ J Autoimmun 23: 81-91, 2004

Backovic A., Huang HL., Del Frari B., Piza H., Huber LA., Wick G.
„Identification and dynamics of proteins adhering to the surface of medical silicones in vivo and in vitro“ J Proteome Res. 6: 376-381, 2007

Backovic A., Wolfram D., Del Frari B., Piza H., Huber LA., Wick G.
„Simultaneous analysis of multiple serum proteins adhering to the surface of medical grade polydimethylsiloxane elastomers“ J.Immunol.Methods 328: 118-127, 2007

Backovic A., Wolfram D.
„Silicone mammary implants – can we turn back time?“ Exp Gerontol. 42: 713-718, 2007


Kontakt

IDC Wick KG
Immunological Diagnostics and Consulting

Speckbacher Straße 23
A-6020 Innsbruck

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Georg Wick
Tel.:   +43 (0)512 / 585098-10
Fax:   +43 (0)512 / 585098-19
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